Vereinsgeschichte

Als sich am 14. Juni 1910 einige wanderbegeisterte Bürger aus Otterberg in “Heusser´s Bau” zusammenfanden, um die Gründung einer PWV-Ortsgruppe zu besprechen, war noch nicht vorauszusehen, welch positive Entwicklung die Ortsgruppe und der Pfälzerwald-Verein überhaupt, nehmen würde. Zunehmende Industrialisierung und Technisierung taten ein übriges, um immer mehr Menschen für das Wandern zu begeistern.

 

39 Namen weist die Einzeichnungsliste bei der Gründungsversammlung auf, diese Zahl erhöht sich noch im gleichen Jahr auf 108. Mit Umsicht und Weitblick beginnt die Verwirklichung der selbst gestellten Aufgaben: Neben den monatlich durchgeführten Wanderungen wird noch im Gründungsjahr der Bau bzw. die Verbreiterung eines Pfades von der Ölmühle zum Schloßberg vollzogen und daselbst eine Ruhebank errichtet. Bereits 1911 folgten dann die Anlegung eines Pfades von der Straße nach Schneckenhausen auf den Heiligenmoscheler Berg (1.000 m Pfad), eines Pfades auf den Schwarzhübel und eines solchen in der Badstube - und immer wieder werden neue Ruhebänke aufgestellt.

 

Unvermindert hält der Zugang von Wanderfreunden an und 1914 bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges zählt die Ortsgruppe 162 Mitglieder. Die Stillegung der Vereinstätigkeit während des Krieges läßt die Mitgliederzahl bei der Wiederbelebung im Jahre 1919 auf 50!! zusammenschrumpfen.

 

Inflation und anschließende Arbeitslosigkeit wirkten auch nicht gerade fördernd auf das Vereinsleben.

So lesen wir beispielsweise, daß bei der Einrichtung einer Vereinsbibliothek im März 1923 die Leihgebühr pro Buch/Woche 50,-- Mark und im September desselben Jahres bereits 50.000,-- Mark beträgt!

Die Klagen über die außerordentlich schlechte Wirtschaftslage häufen sich.

 

Trotz der heute kaum noch vorstellbaren Schwierigkeiten, mit denen unsere Väter damals fertig werden mußten, vergaßen sie ihre im Krieg gebliebene Freunde nicht und schließlich am 27. Juli 1930 konnte unter großer Beteiligung der Bevölkerung, das mit einem Kostenaufwand von 325,-- Mark erstellte vereinseigene Ehrenmal für die Gefallenen am Schwarzhübel feierlich eingeweiht werden.

Die keimende Hoffnung auf baldig Besserung der wirtschaftlichen Situation und damit verbunden auch die Hoffnung auf weitere Entfaltung der Vereinsarbeit erfüllte sich nicht; braune Schatten verhindern den Austrieb dieser Keime.

 

Drakonische Richtlinien und Bestimmungen erschweren und beeinträchtigen die Vereinsleitung ungemein. Schon im Sommer 1933 ergeht folgende Verfügung des Reichsverbandes:” ...der Vorstand muß Mitglied der NSDAP sein oder werden, Nichtarier und Maxisten können kein Vorstandsamt begleiten und müssen aus den Ortsgruppen ausscheiden...” und in der Niederschrift über die Mitgliederversammlung vom Dezember 1933 ist festgehalten: “...Zur Wahl der Vorstandschaft führt der 1. Vorsitzende aus, daß er vom Hauptvorstand als Vereinsführer und 1. Vorsitzende bestätigt worden ist. Eine Wahl der Vorstandschaft ist nicht erforderlich, da der 1. Vorsitzende sein Amt weiterführt und seine Mitarbeiter bestimmt...”.

 

Kein Wunder, daß bei diesen Begleitumständen die Aktivitäten im Verein stagnieren und infolge der Kriegslage 1942 völlig zum Erliegen kommen.

Kreigs- und Nichtkriegszeit, Hungerjahre und Geldentwertung ließen das Interesse am Vereinsleben auf ein Minimum sinken, still wird es aum den Pfälzerwald-Verein in Otterberg, zumal die Besatzungsmächte 1945 jegliche Vereinstätigkeit verboten haben.

 

Doch am 5. Februar 1950 wurde in einer Besprechung einstiger Mitglieder die Wiedergründung angeregt.

Nach Genehmigungserteilung durch die französische Besatzungsmacht konnte sodann am 25. Februar in “Heusser´s Bau” die Gründungsversammlung und schon am 26. März 1950 die erste Wanderung der Ortsgruppe nach 8 jähriger Zwangspause erfolgen; die Stunde Null hat für die Ortsgruppe Otterberg geschlagen!

Mit Unterstützung der damals 88 Mitgleider trat man behutsam in die Aufbauphase: Ausarbeitung eines Wanderangebotes, Instandsetzung der Wegemarkierung, Errichtung von Ruhebänken u.a.m.

 

Die kontinuierlichen Tätigkeiten der Ortsgruppe gaben mit den Ausschlag, daß sie mit der Ausrichtung der Bezirkstreffwanderung 1954 und im Jubiläumsjahr 1960 betraut wurde. Dieses Vertrauen der auswärtigen Wanderfreunde gab weiteren Ansporn und Auftrieb zugleich. Drei Wanderparkplätze (Grafenthalerhof, Birotshof und Lanzenbrunnen) werden angelegt, weitere Ruhbänke errichtet und das Wanderangebot inhaltsvoller gestaltet.

Neu war die Durchführung von forstkundlichen Lehrwanderungen unter der fach- und sachkundigen Leitung von Oberforstmeister Höbel, die auch heute noch von dessen Amtsnachfolger, geleitet werden und sich großer Beliebtheit erfreuen, was die Teilnehmerzahlen bestätigen.

 

Eine Sternstunde in unserer Vereinsgeschichte stellt die Ausrichtung der Hauptwanderung im Jahre 1972 dar. Selbst die naßkalte Witterung an jenem denkwürdigen 2. Juli konnte nicht verhindern, daß sich von den damals 134 Ortsgruppen des Pfälzerwald-Vereins 131 mit über 5.000 Teinehmern im Fuchsbrunnen ein Stelldichein gaben. Großes Lob wurde hierbei der Otterberger Gastfreundschaft und der gut durchdachten Organisation zuteil.

Immer wieder werden neue Ziele gesteckt und größtenteils auch erreicht. Was heute fester Bestandteil des Wanderplanes ist und als Selbstverständlichkeit angesehen wird, war in den 70er Jahren für unsere Ortsgruppe ein Novum: Wochenwanderungen, Ferienwanderungen, Teilnahme an den Deutschen Wandertagen und Europäischen Wandertreffen.

 

Das Erfreulichste jedoch für die Ortsgruppe in jener Dekade dürften die Gründung einer selbständigen Jugendgruppe gewesen sein. Zwar wurden schon füher Versuche zur Bildung einer solchen Gruppe unternommen, bis schließlich am 14. Mai 1977 die Anstrenungen zum gewünschten Erfolg führten.

 

Inzwischen hat sich unsere Jugend mit ihrer Volkstanzgruppe bewährt und auch überörtlich auf sich aufmerksam gemacht. Lohn für die intensive Jugendarbeit war zweifelsohne die Erringung eines Bundessieges im Umweltwettbewerb 1981.

 

Daß unsere älteren Wanderfreunde integrierender Bestandteil der Ortsgruppe sind, versteht sich von selbst. Ihnen wird in der Seniorengruppe - seit 1975 - die Möglichkeit geboten mit Gleichgesinnten sich an kürzeren Wanderungen zu beteiligen.

 

Ganz besonderes Augenmerk gilt dem Umweltschutz und der Landschaftspflege: Zwei von unserer Jugend durchgeführten Waldentrümplungsaktionen, das Anlegen eines vom nördlichen Stadtrand zum Bierbauerweg anbindenden Wanderpfades im Juli 1976, das Errichten von rd. 60 Ruhebänken im stadtnahen Wald, die Betreuung der drei Wanderparkplätze mit ingesamt neun markierten Rundwanderwegen und der sechs lokalen Rundwanderwege sind beredtes Zeugnis eines großen Engagements der Ortsgruppe.

 

Und schließlich gab die vom Pfälzerwald-Verein im April 1983 initiierte Baumpflanzung an der Hauptstraße den entscheidenden Ausschlag für die von der Stadtverwaltung anschließend vorgenommene Baumpflanzaktion im Stadtkern.

 

Die Fortdauer der fruchtbaren Vereinstätigkeit hält über das Jubiläumsjahr 1985 hinaus ununterbrochen an. Im Jahre 1985 zählte unsere Ortsgruppe 154 Familien und 51 Jugendliche als Mitglieder.

Drei große Wander- und Orientierungstafeln, welche dem ortsunkundigen Wanderer wertvolle Hilfe geben, werden mit finanzieller Unterstützung der Stadt Otterberg und des PWV-Hauptvorstandes Neustadt angefertigt und 1986/87 an markanten Örtlichkeiten im Stadtbereich aufgestellt (Parkplatz an der Johannisstraße, Kirchplatz und Pegulan-Parkplatz.)

 

Als heimatkundlich/historischen Beitrag bewertet der PWV einen durch ihn am 21. Dezember 1987 beim ehemaligen Grafenthalerhof aufgestellten “Ritterstein” mit der Inschrift “EHEM. GRAFENTHALERHOF”.

In Abstimmung mit dem Forstamt Otterberg wird ein Wanderpfad vom Schwarzhübel hinab zur Herbrandquelle angelegt.

 

Rund 300 ha Waldfläche, das sind ca. 8 % der Gesamtwaldfläche des Forstamtbezirkes Otterberg werden durch orkanartige Stürme am 3. und 28. Februar 1990 vernichtet. Sämtliche vom PWV Otterberg zu betreuende Markierungslinien (ca. 120 km) wurden dadurch unterbrochen und mußten erneuert werden.

 

Zur Beseitigung der enormen Waldschäden bot die Ortsgruppe Hilfe im Rahmen ihrer Möglichkeiten der Forstverwaltung an. Dadurch erwuchs dann 1992 die Übernahme einer Patenschaft durch die Ortsgruppe Otterberg für eine ca. 6 ha große Waldfläche in der Abteilung Otterberger Stück. Die landespflegerischen Einsätze der Ortsgruppe bestehen im wesentlichen aus

 

-Einsammeln von Bucheckern und Eicheln;

-Einharken in die Fläche;

-Ausbringen von Laubhölzern in die Schadfläch (Saat, Wildlingspflanung);

-Einbringen frischer Baumrinden auf die Fläche (Nährstoffrückführung);

-Waldrandpflege;

-Mechanischer Schutz der Jungpflanzen vor Wildverbiß (Umwickeln mit Schafrohwolle);

-Vegetationsbeobachtung.

 

Finanziell gefördert wird diese Maßnahme aus Mitteln des PWV-Hauptvorstandes.

 

In Gegenwart des PWV-Hauptvorsitzenden Regierungspräsident Rainer Rund, des Leiters der Forstdirektion bei der Bezirksregierung Abteilungsdirektor Edmund Mainberger, des Leiters des Forstamtes Otterberg Forstrat Volker Ziesling mit seinen Außendienstbeamten, sowie des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Otterberg Willi Langfinger konnte am 29. Oktober 1993 am Patenschaftswald eine Informationstafel der Öffentlichkeit übergeben werden

 

.Weitere Höhepunkte in der Vereinsarbeit der rührigen Ortsgruppe dürfte die 14 tägige Kulturreise nach Kreta im Frühjahr 1992 und die 14-Tage-Wanderung im Sommer 1993 durch das Elbsandsteingebirges gewesen sein.

 

In den Bereich der Landschaftspflege fällt die seit 1991 jährlich vorgenommene Pflanzung des “Baumes des Jahres” im Patenschaftswald, und zwar in Gesellschaft gleichartiger Hölzer, um bessere Überlebens-Chancen wie Solitärpflanzen zu erzielen

 

.Unsere Wanderjugend (DWJ) ist ebenfalls in vielfältiger Weise in gemeinnütziger, ehrenamtlicher Arbeit engagiert. Ein Großereignis für sie war die über 14 Tage dauernde internationale Jugendbegegnung mit einer portugiesischen Gruppe in Deutschland im September 1995 mit Schwerpunkt in Otterberg.

 

Neben all diesen positiven Ereignissen und Tätigkeiten, weiß der Chronist leider auch Negatives zu berichten. Wegen zunehmenden Rowdytums auf dem Waldparkplatz Lanzenbrunnen und der damit verbundenen Waldgefährdung sah sich die Forstverwaltung 1993 veranlaßt, den Parkplatz aufzuheben. Orientierungstafel und die Markierungszeichen mußten von der Ortsgruppe entfernt werden.

Ein wahrer Boom in der Wanderbeteiligung erlebten wir mit dem Angebot “Familienwandern auf kinderwagengerchten Wanderwegen”

 

.Im Jahre 2000 beim 90 jährigen Vereinsjubiläum zählte die Ortsgruppe Otterberg rund 200 Mitglieder.

 

Diese Chronik verdanken wir unserem Wanderfreund und ehemaligen Vorsitzenden Herrn Erhard Rohe.

 

 

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Letzte Bearbeitung:  16 Feb 2014 17:52